WAS BEDEUTET REICHTUM, WENN MAN REICH IST...?
Rainer Zitelmann hat das geschafft, wovon viele träumen: Er hat finanziell ausgesorgt. Als studierter Historiker, Poli-tikwissenschaftler und Soziologe hat er über Hitler promo-viert. Reich machte ihn aber sein glückliches Händchen mit seinen Investments.  Seine Leidenschaft sind aber Bücher. Über 22 Bücher hat er selbst geschrieben und herausge-geben. Eines davon heißt: „Die Gesellschaft und ihre Rei-chen. Vorurteile über eine beneidete Minderheit.“ MAKLER hat mit dem Multimillionär über Reichtum gesprochen und ihre Bedeutung für die Gesellschaft. Auf die Frage, was ihn wirklich reich macht, hat er eine bemerkenswerte Antwort.
 

Sie sind Millionär, haben Reiche aber auch aus wissen-schaftlicher Sicht erforscht. Kann jeder reich werden?
...es kann auch nicht jeder so gut Autofahren wie Lewis Hamil-ton. Aber es gibt sicher sehr viele Menschen, die das Potenzial haben, ihre FahrkĂĽnste ganz erheblich zu verbessern.

 
Was unterscheidet Reiche vom Rest der Welt?

Eine Voraussetzung um reich zu werden ist, dass man be-stimmte Persönlichkeitsmerkmale hat und sein Denken verän-dert. Reiche handeln anders, weil sie anders denken.

 
Was können wir von Reichen lernen?

Für meine zweite Doktorarbeit habe ich mit 45 sehr reichen Menschen gesprochen. Reiche zeichnen sich dadurch aus, dass sie in der Regel nicht mit dem Strom schwimmen und die Verantwortung für Niederlagen und Rückschläge nicht ande-ren in die Schuhe schieben.

Als junger Mensch waren Sie fasziniert von linken Theo-rien. Heute sind Sie reich. Was sagen Sie zum linken Argu-ment, Reiche würden den Armen etwas wegnehmen?Man nennt das Nullsummendenken. Zur Widerlegung lassen Sie mich wieder das Beispiel China anführen. 1981 lebten 88% der Chinesen in extremer Armut. Es gab keinen einzigen Milliardär. Heute leben weniger als 1% der Chinesen in extremer Armut. Und es gibt so viele Milliardäre wie sonst nur in den USA. Man muss kein Mathe-Genie sein, um zu erkennen, dass man diese Entwicklung gar nicht verstehen und erklären könnte, wenn die Reichen dadurch reich würden, dass sie den Armen etwas weg-nehmen. Die Nullsummentheorie ist einfach Blödsinn.
 
Ist das Streben nach Reichtum vielleicht sogar gut fĂĽr die Gesellschaft?
Schauen Sie sich die Liste der reichsten Menschen der Welt an: Elon Musk (Tesla), Jeff Bezos (Amazon), Bill Gates (Microsoft), Sergej Brin und Larry Page (Google), Mark Zuckerberg (Facebook) usw. sind als Unternehmer reich geworden. Reich geworden sind sie, weil sie mit ihren Unternehmen Nutzen fĂĽr viele Konsumenten gestiftet und Jobs geschaffen haben. NatĂĽrlich ist das Streben nach Reichtum und Erfolg etwas Gutes fĂĽr die Gesellschaft.
 
Kommen wir zu einem anderen Thema, fĂĽr das Sie berĂĽhmt sind: Immobilien. In unsicheren Zeiten scheinen Immobilien eine sichere Sache zu sein. Sie selbst sind mit Immobilien reich geworden. Jetzt raten Sie von Immobilien eher ab. Warum?
Ich habe gekauft, als die meisten sagten, das sei eine schlech-te Idee. Damals war es billig. Heute ist es teuer. Daher stehe ich heute eher auf der Verkäuferseite. Ich habe viele Immobi-lien in Deutschland verkauft. Ich finde das Preisniveau zu hoch und auch für das Wohnungswesen gilt: Es wird immer mehr in Richtung Planwirtschaft umgewandelt.
Mietpreisbremse, Mietendeckel, Umwandlungsverbot usw., all das hat mit Marktwirtschaft nichts zu tun. Kurz: Das Preis-niveau und die Politik sprechen eher gegen Immobilieninvestments.
Gilt das auch fĂĽr Immobilien in Ostdeutschland? NatĂĽrlich meinen wir damit Immobilien auĂźerhalb Berlins...
Wer die Nadel im Heuhaufen sucht, könnte eine Nadel finden. Ich bin kein Nadelsucher.
 
Haben Sie keine Angst vor einer drohenden Inflation?
Es gibt Argumente dafür und dagegen. Ich habe mich auch für diesen Fall abgesichert, u.a. mit Gold und inflationsindexierten Anleihen. Beides zusammen macht ca. 10% meiner Investitio-nen aus. Das klingt nicht viel, ist aber so viel, dass ich davon sehr lange sehr gut leben könnte. Ich bin für verschiedene Sze-narien abgesichert.
Wenn Sie nicht zu Immobilien raten, wie sollte man sein Geld stattdessen investieren?
Heute ist es sehr schwer zu investieren, – wegen der verrückten EZB-Politik – da die Preise für alles sehr hoch sind. Ich habe im März 2020 öffentlich empfohlen in Aktien einzusteigen und bin meinem eigenen Rat gefolgt. Der ETF, den ich vor einem Jahr für 101 Euro/Anteil kaufte, notiert jetzt bei 158 Euro/Anteil. Wenn es wieder soweit ist, melde ich mich. Manchmal ist es besser, Geld zu parken, nichts zu machen und zu warten, bis es wieder eine Gelegenheit gibt.
 
Wie wichtig ist Ihnen Geld eigentlich?
Bis ich 40 Jahre alt war, war mir Geld nicht sehr wichtig, daher hatte ich kaum etwas. Vom 40. bis zum 60. Lebensjahr war es mir sehr wichtig, deshalb bin ich reich geworden in dieser Zeit. Heute habe ich so viel, dass ich nie mehr arbeiten muss und finanziell frei bin. Heute sind mir meine Bücher, die ich schreibe, wichtiger. Und vor allem meine Vorträge, die ich überall auf der Welt halte, meine Artikel, die ich für viele internationale Medien schreibe - das ist mir heute wichtiger. Aber damit verdient man kein Geld.

Was war die wichtigste Erkenntnis, die Sie gewonnen haben, als Sie das Buch “Die Gesellschaft und ihre Reichen” geschrieben haben?
Das war die erste wissenschaftliche Analyse zum Thema Vorur-teile über Reiche. Ich habe eine Umfrage in den USA, Deutsch-land, Frankreich und Großbritannien in Auftrag gegeben, um zu sehen, wie die Menschen in diesen Ländern über Reiche den-ken und wie stark der Sozialneid ausgeprägt ist. Da das Buch demnächst auch in Italien, Spanien und Schweden erscheint, habe ich auch dort die Befragung durchführen lassen – durch das Meinungsforschungsinstitut Ipsos MORI. Es ist schwer, die Ergebnisse kurz zusammenzufassen – ich empfehle, das Buch zu kaufen. Ein Ergebnis kann ich verraten: Am neidischsten sind die Franzosen, und dann kommen schon wir Deutsche.
 
Wenn wir Reichtum mal losgelöst von materiellem Reichtum betrachten: Was macht Sie wirklich reich?
Freiheit ist für mich sehr wichtig. Ich kann entscheiden, ob ich arbeite, was ich arbeite, wo ich arbeite, mit wem ich arbeite und wann ich arbeite. Ich schlafe nachts nicht so lange, aber dafür am Tag noch 1-2 Mal. Frei sein ist ein schönes Gefühl, das hat auch mit Geld zu tun, aber nicht nur. Vor allem gehört auch Mut dazu, die Dinge so zu tun, wie man es möchte und nicht so, wie es gesellschaftlichen Normen ent-spricht. Ich habe mehrere schöne Freundinnen, die alle studie-ren und alle voneinander wissen. Ich führe ein schönes und interessantes Leben.
Die letzten 12 Monate habe ich mich mit behinderten Men-schen befasst, die trotz ihrer Behinderung sehr erfolgreich wa-ren. Das ist das Thema meines nächsten Buches, das im Juni erscheint: „ICH WILL. Was wir von erfolgreichen Menschen mit Behinderung lernen können“. Mich den ganzen Tag mit sol-chen Themen befassen zu können und damit vielen Menschen auf der Welt zu helfen, die meine Bücher lesen – das macht mich glücklich. Mein Reichtum sind die vielen positiven Rück-meldungen, die ich zu meinen Büchern erhalte.
 
Wir wünschen Ihnen viel Erfolg für das nächste Buch. Vielen Dank für das Interview.