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- Interview mit Oliver Tissot -
Satiriker, Sprachakrobat und scharfer Beobachter wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Entwicklungen. Mit seinem einzigartigen Stil verbindet er Humor mit echtem Tiefgang und trifft dabei oft genau ins Schwarze.
VERWANDLUNG BEGINNT IM KOPF UND
AM BESTEN MIT EINEM LACHEN
Oliver Tissot hält der Branche den Spiegel vor – scharf, pointiert und mit feinem Humor. Warum genau das oft der erste Schritt echter Verwandlung ist und weshalb Veränderung selten dort beginnt, wo man sie vermutet.
Herr Tissot, Sie haben unseren Kongress satirisch „auseinandergenommen“.
Ganz ehrlich: Beobachten Sie oder entlarven Sie?
Beides! Mit dem einen Auge beobachte ich, mit dem anderen schiele ich nach Entlarvungs-Möglichkeiten. ‚Entlarven‘ kommt vom lateinischen ‚larva‘, was soviel wie ‚böser Geist‘ bedeutet. Wenn einem was böse auf den Geist geht, sollte es demaskiert, also entlarvt werden. Dann kann Besseres entstehen, sogar richtig Schönes. Jeder Schmetterling war ja erst mal eine hässliche Larve. Ent-‚larven‘ kann also beflügeln!
Alle sprechen von Veränderung, Transformation, Zukunft.
Hand aufs Herz: Verwandelt sich da wirklich etwas oder optimieren wir nur die Verpackung?
Verpackungsänderung ist halt billiger als Prozesse umzuformen oder am Produkt zu feilen. Alter Wein verkauft sich in neuen Schläuchen außerdem besser. So wurde aus Raider Twix und aus Twitter X. Der Inhalt von beidem trug trotz Namensänderung nicht zur Erbauung oder Gesunderhaltung bei. Darum ist es in der Regel gut, wenn sich etwas ändert. Totalen Stillstand nennt man in der Biologie übrigens Tod.
Sie schauen als Außenstehender auf die Branche.
Was ist das Erste, was Ihnen auffällt und was vielleicht sonst keiner ausspricht?
Des Kaisers neue Kleider! Unkritische Akzeptanz gegenüber Autoritäten fällt mir oft auf. Außerdem, dass aus Furcht um Stellung und Ruf kaum jemand ausspricht, was er denkt und wie er die Sache sieht. Man sollte sich sein kindliches Gemüt bewahren und sagen, was ist, wie im Märchen mit des Kaisers Kleidern, die es gar nicht gibt. Das hat ein Kind ausposaunt. Naivität ist also manchmal hilfreich. Apropos: Ist Ihnen schon einmal aufgefallen, dass in ‚Innovation‘ die Buchstaben von ‚naiv‘, ‚Not‘ und ‚Ion‘ stecken, Das heißt, man sollte ruhig gutgläubig sein, nötigen Veränderungsdruck spüren und schauen, ob...